Innovation in Spielen

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Indiegames (low budget games) sind ganz klar so erfolgreich wie noch nie. Doch wie kann es sein, dass ein Spiel wie Limbo von der Gaminggemeinde und der Presse gefeiert wird und ein AAA-Titel in die Röhre schaut?

Innovation

Hier ist schon der erste Grund. Indiegames werden oft direkt von den Entwicklern vermarktet, es ist also kein Publisher als Vertreiber vorhanden. Die Spiele werden meist von der Entwicklerhomepage verkauft, oder aber bei Steam, im PSN oder bei XBox Live vermarktet. Häufig sind diese Spiele vom Entwicklerteam selbst finanziert, da ja kein Geldgeber (Publisher) vorhanden ist. Doch dieses vermeintliche Geldproblem stellt sich in den meisten Fällen gar nicht als Problem heraus, sondern als Nährboden für Innovation. Denn wenn ich keine 5 Millionen € für Spezialeffekte und Explosionen und high-end Grafik habe, dann muss ich die potenziellen Spieler auf andere Weise für mein Spiel begeistern.

Als Beispiel nehme ich das oben genannte Limbo von Playdead. Das Spielprinzip ist leicht erklärt: Man steuert einen kleinen Jungen von links nach rechts durch eine im wahrsten Sinne des Wortes düstere Welt. Der Junge ist auf der Suche nach seiner Schwester und ist mit allerlei Gefahren konfrontiert. Man muss über Bärenfallen springen, Schalter- und Zeiträtsel lösen und dabei versuchen möglichst nicht zu sterben, was sich garnicht als so einfach erweist. Limbo ist ein klassisches Trial&Error (versuch es und versage) Spiel. Es ist so gut wie unmöglich beim ersten großen Hindernis nicht den Pixeltod zu sterben. Doch das macht den Reiz bei dieser Art von Spiel aus und das ist gleichzeitig einer der großen Unterschiede zwischen Indiegames und AAA-Titel: der Schwierigkeitsgrad

Man kann sagen, dass Indiegames grundsätzlich schwerer sind als AAA-Titel, was an der Vermarktungsstrategie und dem Spielumfang liegt. Indiegames haben meistens eine überschaubare Spielzeit und damit der Spieler nicht schon nach 2 Stunden mit dem Spiel fertig ist wird es ordentlich fordernd gemacht. AAA-Titel haben meist mehrere Schwierigkeitsgrade, doch selbst auf Schwer sind sie meistens nicht so fordernd. Das liegt auf der einen Seite daran, dass solche Spiele wesentlich komplexer sind und es somit mehr Möglichkeiten gibt dem Pixeltod zu entgehen wie bei Indiegames, zum anderen zeigt sich alleine durch die Möglichkeit, dass man den Schwierigkeitsgrad wählen kann, welche Art von Spielern man erreichen möchte: möglichst alle.

Und hier komme ich schon zum nächsten Thema:

Das Call of Duty-Phänomen

Wer dieses Jahr die E3 verfolgt haben sollte, der sollte wissen wovon ich rede. Jedes Spiel war explosionsreicher, effektreicher und bombastischer als das Andere. Die einen sind mit einem Bogen unterwegs um ihre Gegner auszuschalten (Tomb Raider), die anderen sind mit einem Bogen unterwegs um ihre Gegner auszuschalten (FarCry3) und wieder andere sind mit einem Bogen unterwegs um ihre Gegner auszuschalten (Crysis3). Nicht zu vergessen die großen Explosionen und gescripteten Events.

Doch dann gab es ein Spiel von dem jeder Sprach: Watch_Dogs

Das Thema des Spiels ist die vernetzte welt und die damit verbundenen Möglichkeiten auf alle Systeme in diesem Netzwerk zugrefen zu können. Man spielt den ctOS-Mitarbeiter Aiden Pierce. ctOS ist ein Computersystem, welches die gesamte Stadt kontrolliert, also Wasserversorgung, Ampelsysteme und ähnliches. Um eine Verschwörung aufzudecken nutzt Aiden die Möglichkeiten des Systems und klaut? ein Smartphone, über das er die Stadt „steuern“ kann.

Woah! Was für eine Überraschung auf der ansonsten eher langweiligen E3. Wieso wird erst jetzt ein so innovatives Spiel vorgestellt, unterstützt und finanziert von Ubisoft? Wieso setzen die großen Publisher immer aufs gleiche Pferd und kümmern sich so wenig um eine gute Story und Gameplay? Natürlich heißt es offiziell, dass es daran liegt, dass wir am ende eines Konsolenzyklus sind und dementsprechend wenig riskiert wird was neue IPs angeht. Aber für mich hat diese Aussage keinen Sinn. Das beste Beispiel ist das eben genannte Watch_Dogs. Wenn dieses Spiel nächste Woche für PS3, XBox360 und PC erscheinen würde bin ich mir sicher, dass es mindestens sehr gute Verkaufszahlen erreichen würde. Natürlich wurde von der guten Grafik gesprochen, welche das Spiel hat, doch ich bin mir sicher, dass dieses Spiel sich auch mit GTA4-Grafik verkaufen würde wie geschnitten Brot.

Warum? Weil es innovativ ist und neue Elemente einbringt die es so noch nicht gab.

Denn wenn ich ganz ehrlich bin und mir die Frage stelle, wann ich zuletzt ein Spiel gespielt habe, welches mich wirklich gefesselt hat und welches ich heute noch spiele, dann muss ich zurück in die PS2-Ära. Final Fantasy X ist so ein Spiel, welches ich noch heute spiele, zum 4. oder 5. mal. In anbetracht der Spielzeit von über 40 Stunden ist das schon eine Menge.

Sehr interessant ist auch wenn man sich im GameStop die gebrauchten Spiele anschaut. Die wirklichen innovativen und guten Spiele findet man dort selten, da die niemand verkaufen möchte. Ihr könnt es selber ausprobieren, geht in den GameStop und schaut nach wieviele Exemplare von Metal Gear Solid 4,3,2, oder Disgaea 1,2,3,4, oder anderer „Klassiker“ ihr in diesen Läden findet. Natürlich wird es das ein oder andere Exemplar geben, schon allein da die Gebrauchtspiele unter den Läden aufgeteilt werden. Doch ihr werdet sehen, dass die wirklich guten Spiele nicht verkauft werden und dass diese Spiele nicht (oder damals als sie erschienen sind) dem typischen Schema folgen, wie es die meisten tun. Call of Duty und Battlefield lasse ich einmal außen vor, da diese Spiele aus einem mir nicht erklärlichen Grund eine Sonderstellung haben.

Doch jeder Entwickler sollte versuchen ein wenig Innovation ins Spiel zu bringen, denn die wirklich innovativen Spiele verkaufen sich auch gut.

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3 Kommentare

  1. Dominik

     /  Juli 30, 2012

    Wirklich tolle Beiträge hier! Ob sich innovative Spiele grundsätzlich verkaufen – da bin ich mir nicht ganz so sicher. Ich denke schon, dass sie einigermaßen Massen kompatibel sein sollten. Ich persönlich (und wahrscheinlich auch sonst jeder, der deine Seite besucht) wünscht sich natürlich neue, innovative, gute Spiele. Die aktuell von den Firmen am wichtigsten eingeschätzten Casualspieler sind da bestimmt nicht so wählerisch.

    Antworten
    • Ich denke über kurz oder lang wird man sich wieder mehr den Hardcore-Spielern zuwenden. Aus einem einfachen Grund: Hardcore-Spieler kaufen regelmäßig Spiele, während man für Casual-Spieler immer die Werbetrommel rühren muss und sich neue Marketing-Kampagnen ausdenken muss um mehr Kunden zu bekommen.

      Genau das Problem wird es nämlich auch mit der neue Konsole von Nintendo geben. Ich prophezeie, dass sie sich relativ schlecht verkaufen wird, da die Casual-Spieler mit der Wii erstmal bedient sind. Kein Gelegenheitszocker kauft sich alle 5 Jahre eine neue Konsole.

      Casual-Spieler sind keine treuen Kunden.

      Antworten

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