Der anspruchsvolle Gamer: Eine private Feldstudie

Gamer werden immer anspruchsvoller. Damals begnügte man sich noch mit Spielewertungen von „nur“ 80% und heutzutage wird jedes Spiel im Vorfeld schlechtgeredet, das nicht wenigstens eine 90er Wertung hat. Überhaupt ist openworld ein muss, Schlauchlevel ist das Unwort schlechthin in der Spielewelt. Aber wie viel sagen Wertungen für den Einzelnen schon aus?

Wie viele Spiele habe ich in meinem Regal stehen die noch nicht einmal 70er Wertungen bekommen haben und mit denen ich mehr Spaß hatte als beispielsweise mt GTAIV -meinen persönlichen Flop der letzten Jahre. Yakuza ist für mich eine der besten Spieleserien überhaupt, doch wenn es nach der Fachpresse geht, dann wäre sie ganz klar im unteren Mittelfeld. Natürlich kann man sagen, dass Geschmäcker verschieden sind, doch ich denke nicht, dass es nur daran liegt. Heutzutage wird man mit so vielen Spiele-Releases „zugemüllt“, dass man sich selber nur schwer einen Überblick verschaffen kann welches Spiel nun denn das Beste ist und wie Homer Simpson sagen würde: „Ich hab nur 1 Geld, doch es gibt 4 Spiel.“ Um nun keinen Fehlkauf zu riskieren muss man entweder auf die Fachpresse hören und den Test lesen, im Internet nach Lets-Plays schauen, oder -wie es wohl am häufigsten ist- auf die Marketingmaschinerie der Publisher vertrauen. Denn der Publisher weiß was das Beste für mich ist. Die Titel welche schon vor Release in aller Munde sind werden meistens auch hoch bewertet und wenn doch nicht, dann verkaufen sie sich trotzdem gut. Wer Marketing richtig beherrscht braucht sich keine Sorgen um die Verkäufe zu machen. Aber es gibt auch die „früher war alles besser“-Gamer (zu denen ich mich auch manchmal zähle), denen kann man gar nichts Recht machen. Am besten einfach einen Titel aus den frühen neunzigern re-releasen und schon sind sie zufrieden. Neue Spiele sind grundsätzlich schlecht und die Spieleindustrie ist eh am Ende.

Interessant ist auch das Gegenteil zu beobachten. Wie sich manche Gamer an guten Wertungen von Spielen die sie nicht mögen ärgern und es andere wissen lassen. Hier kann ich das 4players-Forum jedem ans Herz legen, der einmal seine eigenen Studien machen möchte. The Last Of Us ist ein gutes Beispiel. Ich selbst halte auch nicht viel von Wertungen, doch da ich die Demo selbst gespielt habe bin ich mit der Fachpresse ziemlich einer Meinung: Das Spiel ist nicht weniger als ein Meisterwerk auf dieser Konsolengeneration. Natürlich gibt es auch auf 4players andere Gamer die der selben Meinung sind und sich im Kommentarbereich des dazugehörigen Beitrags darüber austauschen. Doch nun kommt der „anspruchsvolle“ Gamer. Er wittert seine Chance SEINE Meinung kund zu tun, schreibt aber so als ob er die Meinung der restlichen Weltbevölkerung vertritt. The Last Of ist nicht openworld, also muss es Schlauchlevel haben, Schlauchlevel = schlecht, also Spiel = schlecht. Das alles wäre kein Problem, wenn solche Personen ihre Meinung nicht noch in zwanzig weiteren Posts kundtun würden. Von „Wie kann man sowas nur spielen?“, über „ha ha, auf Polygon hat das Spiel eine Klatsche bekommen“ (eine von Microsoft gegründete Spieletest-Seite) bis hin zu Beleidigungen der Redakteure von 4Players (Die das Spiel noch nicht mal getestet haben) ist alles dabei. Und dann fällt auf, dass der Typ, der dieses Spiel wegen seinen „Schlauchleveln“ so runtermacht vor ein paar Wochen das neue Call of Duty hochgelobt hat. Dann merkt man, dass es nicht nur unterschiedliche Geschmäcker gibt, sondern auch Menschen die einfach nicht zufrieden sein wollen und auch nicht wollen dass es andere sind. Jeder hat seine Meinung, nicht jeder kann mit bestimmten Spielen etwas anfangen, aber muss ich denn jemanden der ein Spiel mag, das ich nicht gut finde vn meiner Meinung überzeugen? Ich glaube nicht. Das alles wäre nicht so schlimm wenn es sich nur auf The Last Of Us beziehen würde, doch leider war das nur ein aktuelles Beispiel.

Jeder schreit nach Innovation, doch der eine sieht sie in The Last Of Us und der andere sieht sie im nächsten Call of Duty. Jeder ist für sich ein anspruchsvoller Gamer.

Hinterlasse einen Kommentar

6 Kommentare

  1. Toller Artikel. Wobei ich mir nicht von der Fachpresse und von Publishern vorschreiben lasse, was ich spielen soll. Ich habe schon immer zwei drei Genre-Bereiche gehabt, die mich besonders interessieren. Der ganze Main-Stream wie Call of Duty geht an mir zwar nicht vorbei, doch ich brauche diese Spiele nicht spielen, da sie mich einfach nicht ansprechen. Ich warte lieber ein wenig und spiele dann einen wirklichen Knaller und ein wirklich toll getaltetes Spiel, welches vielleicht nicht so bekannt ist. Aktuelles Beispiel ist hier Ni No Kuni. Hat zwar seine Macken, aber für mich mit einer der Titel des Jahres.

    Antworten
    • Oh ja, Ni No Kuni ist genial. Ich bin gerade ganz am Schluss, will es aber nicht weiterspielen weil es dann zuende ist 😉

      Antworten
      • Cool! Ich habe gerade Morgenstern vervollständigt und bin jetzt auf der Suche nach den Bestandteilen der heiligen Fanfare 🙂

      • Dann hast du ja noch einiges vor dir 😉 Das Spiel hat eine der besten Wendungen die ich kenne 😉
        Aber du kannst noch lange spielen eh du am Ende bist 😉

  2. Früher haben mir die meisten Spiele wirklich mehr Spaß gemacht. Das lag aber daran, dass schließlich alles neu und aufregend war. Heutzutage ist man schon schneller gelangweilt. Auch wenn der Entwickler seine Hausaufgaben gemacht hat.

    Das mit 4players finde ich recht lustig. Aber das gibts bei so wirklich jedem Spieleforum 😀
    Nervig wirds meist dann, wenn nicht nur über das Spiel oder die testenden Redakteure gemeckert wird, sondern alle Käufer prinzipiell als Idioten dargestellt werden.

    Antworten
    • Früher haben die Entwickler auch keinen großen Publisher im Nacken gehabt, der immer auf die Uhr geklopft hat. Wenn man bedenkt, dass die Videospielindustrie eine kleine Niesche war in der Menschen ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnten und damit sogar Geld verdient haben. Jetzt haben die Manager das große Geld gewittert. Ich garaniere dir, dass die Leute die die wirklichen Entscheidungen in der Industrie treffen, keine Ahnung von Videospielen haben, dafür vom Geld machen und im Moment scheint der künstlerische Anspruch ein wenig in den Hintergrund getreten zu sein. Bei den ganzen mobilen Angeboten und den ganzen Konsolen die jetzt auf den Markt kommen würde es mich nicht wundern wenn wir bald einen zweiten Videospiele-Crash haben werden.

      Antworten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

moviescape.blog

Texte über Filme, Serien, Popkultur, Laufen und das Vatersein.

sOLARiZ.de | Tech and Gaming Blog

News aus dem Bereich Spiele, Gaming, Software, Hardware und Technik - alles was einen Gamer interessiert!

Zockwork Orange

News und Reviews rund um die Kultur der Videospiele

redmaker.net

Games - Video - Music - Internet - More

Onlineleben- Offlineleben

Leben, Gaming und der ganze Rest...

German Otaku Blog

Anime, Manga, Comics, Games und mehr...

The WordPress.com Blog

The latest news on WordPress.com and the WordPress community.

%d Bloggern gefällt das: